Cortisol hat als „Stresshormon“ einen schlechten Ruf, dabei ist es für unseren Körper lebenswichtig. Zum Problem wird es erst, wenn der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht bleibt. Doch welche Ursachen stecken hinter erhöhten Cortisolwerten und was hilft wirklich? Erfahren Sie, wie Sie Ihren Cortisolspiegel natürlich senken können und welche 8 wissenschaftlich untersuchten Maßnahmen dabei helfen können, Stress abzubauen und Ihr Wohlbefinden zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Cortisol?
- Welche Rolle spielt Cortisol im Körper?
- Was passiert, wenn der Cortisolspiegel dauerhaft zu hoch ist?
- Ursachen für einen zu hohen Cortisolspiegel
- Wann sollte man Cortisol messen lassen?
- Cortisol natürlich senken: 8 Tipps bei einem hohen Cortisolspiegel
- Fazit: Wie kann man Cortisol senken?
Cortisol senken – Das Wichtigste in Kürze
- Cortisol ist ein lebenswichtiges Steroidhormon aus der Nebennierenrinde. Es steuert Stressreaktion, Stoffwechsel, Immunsystem und Schlaf-Wach-Rhythmus.
- Der Cortisolspiegel folgt einem zirkadianen Rhythmus: Am Morgen ist er am höchsten, nachts am niedrigsten.
- Kurzfristig erhöhte Cortisolwerte sind normal. Problematisch wird ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel, etwa durch chronischen Stress.
- Leicht erhöhtes Cortisol zeigt sich oft unspezifisch, z.B. durch innere Unruhe, Schlafprobleme, Heißhunger oder höhere Infektanfälligkeit. Stark erhöhte Werte (Cushing-Syndrom) müssen ärztlich abgeklärt werden.
- Häufige Ursachen sind chronischer Stress, Schlafmangel, eine ungünstige Ernährung, viel Koffein, übermäßig intensiver Sport, Cortison-Präparate und bestimmte Erkrankungen.
- Cortisol kann in Blut, Speichel, Urin oder Haaren gemessen werden. Ein einzelner Wert ist allerdings nur eine Momentaufnahme.
- Um Cortisol natürlich zu senken bzw. dessen natürlichen Tagesrhythmus zu unterstützen, helfen z.B. Achtsamkeit und Meditation, moderate Bewegung, erholsamer Schlaf, Zeit in der Natur, soziale Kontakte und eine ausgewogene Ernährung mit wenig Koffein und Alkohol.
- Es wird erforscht, ob auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel zur Regulierung des Cortisolspiegels und des Stresslevels beitragen können. Zu den erforschten Stoffen gehören v.a. Pflanzenextrakte wie z.B. Ashwagandha, Rhodiola rosea, Curcumin und Safran.
Was ist Cortisol?
Cortisol (bzw. Kortisol) ist ein lebenswichtiges Hormon im menschlichen Körper. Es gehört zur Gruppe der Glukokortikoide und damit auch zu den sog. Steroidhormonen. Cortisol wird in der Nebennierenrinde aus Cholesterin über mehrere Zwischenschritte gebildet. Die Nebennieren sind kleine Hormondrüsen, die oben auf den Nieren sitzen.
Bekannt ist Cortisol v.a. als Stresshormon. Zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin wird es vermehrt ausgeschüttet, wenn der Körper körperlich oder psychisch unter Druck steht. Doch der Ruf als „Stresshormon“ greift zu kurz. Denn Cortisol ist an vielen Abläufen im Körper beteiligt und per se nicht so negativ, wie häufig vermittelt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Cortisol und Cortison?
Die beiden Begriffe Cortisol und Cortison werden oft verwechselt, bezeichnen jedoch nicht das gleiche Molekül. Cortisol ist die aktive Form des Hormons. Im Gewebe kann ein Enzym Cortisol in das inaktive Cortison umwandeln. Als Medikament wird Cortisol synthetisch hergestellt (Hydrocortison) – ebenso wie weitere, verwandte Wirkstoffe, die umgangssprachlich einfach als „Cortison“ bezeichnet werden.
Welche Rolle spielt Cortisol im Körper?
Cortisol ist von großer Bedeutung für den Körper und erfüllt verschiedene lebenswichtige Funktionen. Dazu gehören:
- Stressreaktion und Energie: Bei Stress versetzt Cortisol den Körper in eine Art „Alarmbereitschaft“ und sorgt dafür, dass schnell Energie bereitsteht, um eine Herausforderung zu bewältigen. Kurzzeitig erhöhte Werte sind dabei wichtig und nicht schädlich: Sie helfen dem Körper, auf Belastungen zu reagieren. Ist der Stress vorüber, sinkt Cortisol im Normalfall wieder ab.
- Stoffwechsel, Blutzucker und Blutdruck: In diesem Zuge regt Cortisol den Stoffwechsel an, erhöht den Blutzucker und steigert den Blutdruck – ebenfalls, um den Körper leistungsfähiger zu machen.
- Immunsystem und Entzündungen: Cortisol bremst das Immunsystem und dämpft entzündungsfördernde Botenstoffe ab. Auf dieser immunmodulierenden und entzündungshemmenden Wirkung beruhen Cortison-Präparate.
- Schlaf-Wach-Rhythmus: Cortisol reguliert zusammen mit Melatonin den Schlaf-Wach-Rhythmus und somit die „innere Uhr“. Der hohe Cortisol-Morgenwert aktiviert den Körper für den Tag, während der sinkende Cortisolspiegel am Abend den Schlaf fördert.
Der Cortisolspiegel ist demnach nicht konstant, sondern folgt einem sog. zirkadianen Rhythmus. Er steigt bereits in den letzten Stunden des Schlafs an und erreicht um die Zeit des Aufwachens (etwa zwischen 6 und 8 Uhr) seinen Höchstwert. Über den Tag sinkt er dann wieder ab und ist nachts am niedrigsten.
Zusätzlich gibt es die sog. Cortisol-Aufwachreaktion: In den ersten 30-45 Minuten nach dem morgendlichen Aufwachen steigt die Cortisol-Ausschüttung deutlich an. Dieser Anstieg wirkt wie ein natürlicher Wecker für den Körper. Das Schlafhormon Melatonin verhält sich vereinfacht gesagt gegensätzlich zu Cortisol; es ist tagsüber niedrig und steigt gegen Abend.
Was passiert, wenn der Cortisolspiegel dauerhaft zu hoch ist?
Normalerweise sinkt der Cortisolspiegel nach einer Stresssituation von selbst wieder ab. Problematisch wird es erst, wenn Stress chronisch wird und der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht bleibt. Dabei muss jedoch zwischen zwei Situationen unterschieden werden:
- einem leicht bis mäßig erhöhten Cortisolspiegel, z.B. durch anhaltenden Stress, und
- einem krankhaft stark erhöhten Cortisolspiegel, wie er beim seltenen Cushing-Syndrom vorkommt.
Mögliche Symptome bei leicht erhöhtem Cortisolspiegel
Ein leicht bis moderat erhöhter Cortisolspiegel kann durch chronischen Stress verursacht werden. Die Symptome sind oft unspezifisch und unauffällig. Zu den möglichen Beschwerden gehören:
- Innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
- Schlafprobleme wie Durchschlafstörungen
- Heißhunger und leichte Gewichtszunahme
- Geschwächtes Immunsystem
- Leicht erhöhter Blutdruck und Herzklopfen
- Zyklusstörungen und Verminderung der Libido
Wichtig: Diese Beschwerden sind unspezifisch. Hinter jedem einzelnen Symptom können viele andere Ursachen stecken. Ein einzelnes Symptom reicht in der Regel nicht aus, um auf einen erhöhten Cortisolspiegel zu schließen.
Langfristig gehen erhöhte Cortisolwerte auch mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten einher, wie z.B. einer erhöhten Infektanfälligkeit oder einem erhöhten Risiko für Insulinresistenz (wie bei Diabetes Typ 2), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.

Abb. 2: Leicht erhöhtes Cortisol zeigt sich oft unspezifisch, z.B. durch innere Unruhe, Schlafprobleme, Heißhunger oder höhere Infektanfälligkeit.
Symptome bei stark erhöhtem Cortisol (Cushing-Syndrom)
Ist der Cortisolspiegel über längere Zeit sehr stark erhöht, kann ein Cushing-Syndrom vorliegen. Die häufigste Ursache ist die längerfristige Einnahme von Cortison-Präparaten. Auch Tumore können ursächlich sein. Dies ist jedoch selten und wird nicht durch Stress ausgelöst. Stark erhöhte Cortisol-Werte sollten daher dringend ärztlich abgeklärt werden.
Typische Anzeichen sind:
- eine auffällige Gewichtszunahme (Stammfettsucht; v.a. an Bauch, Nacken und Gesicht)
- Muskelschwund an den Armen und Beinen
- ein rundliches Gesicht („Vollmondgesicht“)
- Insulinresistenz bzw. deutlich erhöhter Blutzuckerspiegel
Häufig treten auch Symptome auf wie:
- Akne
- Bluthochdruck
- ausgeprägte Menstruationsstörungen
- Libidoverlust
- und viele mehr
Kurzum: Die Symptomatik ist beim Cushing-Syndrom deutlich stärker ausgeprägt und erfordert ärztliche Rücksprache.
Hinweis: Der Cortisolspiegel kann im Rahmen bestimmter Erkrankungen auch erniedrigt sein. Zu den Symptomen gehören:
- niedriger Blutdruck mit Schwindel
- ausgeprägte Müdigkeit
- Antriebslosigkeit und Kraftlosigkeit
- Unterzuckerung
- Heißhunger auf Salz
- Gewichtsverlust
Auch hier sollte eine ärztliche Rücksprache erfolgen.
Ursachen für einen zu hohen Cortisolspiegel
Erhöhte Cortisolspiegel sind stets kontextabhängig. Denn wie bereits erwähnt ist eine kurzzeitige Erhöhung im Rahmen einer Stresssituation ein normaler und notwendiger physiologischer Vorgang. Dauerhaft oder stark erhöhte Werte können jedoch problematisch sein. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel hat meist keine einzelne Ursache. Oft kommen verschiedene Faktoren zusammen.
Die häufigsten Einflussfaktoren im Überblick:
- Chronischer Stress: Anhaltender Stress gilt als wichtigster Alltagsfaktor. Andauernde Belastungen sowie zu wenig Ruhephasen können dazu führen, dass der Körper erhöhte Cortisolwerte nicht mehr ausreichend reguliert.
- Zu wenig Schlaf: Ausreichend erholsamer Schlaf ist von großer Bedeutung für die Regulation des Cortisolspiegels.
- Ernährung: Strenge Diäten mit starkem Energiedefizit, sehr unregelmäßige Mahlzeiten sowie eine ungesunde Ernährung mit vielen, schnell verfügbaren Kohlenhydraten (wie Zucker und Weißmehl) können zu erhöhten Cortisolspiegeln beitragen.
- Koffein: Koffein kann die Cortisol-Ausschüttung steigern. Daher sollte Koffein stets in Maßen und je nach individueller Verträglichkeit konsumiert werden.
- Sehr intensiver Sport: Grundsätzlich ist Bewegung äußerst wichtig für die Stressbalance. Eine dauerhaft stark erhöhte Trainingsbelastung kann jedoch zu erhöhten Cortisolwerten führen.
- Medikamente: Die Einnahme von Cortison-Präparaten erhöht den Cortisolspiegel. Wichtig: Verordnete Cortison-Präparate sollten nie eigenmächtig absetzt werden. Denn nach einer längeren Therapie kann ein plötzliches Absetzen einen gefährlichen Cortisol-Mangel auslösen.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft kann der Cortisolspiegel erhöht sein, was jedoch ein völlig normales Phänomen und bei moderatem Ausmaß harmlos ist.
- Erkrankungen: Verschiedene Erkrankungen können zu erhöhten Cortisolwerten beitragen. Dazu gehören starkes Übergewicht, ein schlecht eingestellter Diabetes, Essstörungen, schwere Depressionen, chronischer Alkoholismus oder bestimmte Tumore.

Abb. 3: Häufige Ursachen für einen erhöhten Cortisolspiegel sind chronischer Stress, Schlafmangel, eine ungünstige Ernährung, viel Koffein, übermäßig intensiver Sport, Cortison-Präparate und bestimmte Erkrankungen.
Wann sollte man Cortisol messen lassen?
Die Messung des Cortisolspiegels ist kein Routinewert. Er wird meist nur bei begründetem Verdacht oder auf Anfrage gemessen. Sinnvoll kann eine Messung v.a. dann sein, wenn mehrere Symptome für erhöhtes (oder erniedrigtes) Cortisol gleichzeitig auftreten oder stärker werden. Ebenfalls kann eine Messung nach länger anhaltenden Stressphasen von Interesse sein.
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis oder ein Heilpraktiker. Bei konkreten Hinweisen kann eine Überweisung in die Endokrinologie folgen. Gemessen werden kann Cortisol in Blut, Speichel, Urin oder Haaren. Wichtig ist zu berücksichtigen, dass die Messung eines einzelnen Werts nur eine Momentaufnahme darstellt und sich der Cortisolwert im Tagesverlauf verändert. Meist wird Cortisol – bei Messung im Blut – daher am Morgen und auf nüchternen Magen gemessen.
Hinweis: Faktoren wie akuter Stress, Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Medikamente (Cortison-Präparate oder orale Kontrazeptiva („Pille“)) oder Erkrankungen (z.B. Adipositas) können den Cortisolwert beeinflussen.
Die Messung des Speichel-Cortisols erlaubt eine Messung über mehrere Tageszeitpunkte und kann daher je nach Situation mehr Aussagekraft besitzen. Jedoch ist auch dieser Wert fehleranfällig. Eine Messung an mehreren Tagen sowie die Begleitung durch und Rücksprache mit einem erfahrenen Arzt bzw. Therapeuten können Klarheit bringen. Daneben existieren auch Selbsttests für zu Hause, deren Qualität und Aussagekraft jedoch häufig unklar ist und deren Interpretation sich für Laien meist schwierig gestaltet.
Gut zu wissen: Die Referenzwerte für Cortisol können sich je nach Labor unterscheiden. Für das Serum-Cortisol gelten bei Abnahme am Morgen Werte im Bereich von etwa 50-200 ng/ml als normal.
Cortisol natürlich senken: 8 Tipps bei einem hohen Cortisolspiegel
Vorweg: Cortisol ist kein schädlicher Stoff, den man loswerden sollte. Zudem kann man den Cortisolspiegel auch nur in gewissem Maße selbst beeinflussen. Und wer krankhaft veränderte Werte hat, sollte diese idealerweise ärztlich behandeln lassen.
Wenn man jedoch unter chronischem Stress leidet und/oder der Cortisolwert dauerhaft leicht erhöht ist, kann dem mit verschiedenen Lebensstil-Maßnahmen entgegengewirkt werden. Diese können sowohl im Allgemeinen Stress reduzieren bzw. den Umgang damit verbessern als auch zum Teil gezielt Cortisol senken bzw. dessen natürlichen Tagesrhythmus unterstützen.
Cortisol senken durch Achtsamkeit und Meditation
Entspannungstechniken wie Achtsamkeits- und Atemübungen, Meditation oder autogenes Training können den wahrgenommenen Stress reduzieren und zu mehr Resilienz führen. Eine große Meta-Analyse zum Thema zeigt: Maßnahmen zur Stressbewältigung senken nachweislich Cortisol. Interventionen im Bereich Achtsamkeit, Meditation und Entspannung (inkl. Muskelentspannung und Atemübungen) schnitten dabei am besten ab, während Körper-Geist-Therapien (wie Yoga und Biofeedback) und Gesprächstherapien weniger starke Effekte zeigten1.
Tipp: Beginnen Sie mit wenigen Minuten am Tag, etwa mit einer geführten Meditation oder einer kurzen Atemübung. Viele Krankenkassen unterstützen zudem Achtsamkeit, z.B. durch Apps oder Bezuschussung von Kursen.

Abb. 4: Entspannungstechniken wie Achtsamkeits- und Atemübungen, Meditation oder autogenes Training können den wahrgenommenen Stress reduzieren.
Cortisol senken durch regelmäßige Bewegung
Regelmäßige Bewegung und moderater Sport können belastbarer und ausgeglichener machen, Stressabbau fördern und zu erholsameren Schlaf beitragen. Dafür kann sich grundsätzlich jede Art der Bewegung anbieten – wichtig ist die Regelmäßigkeit. Dabei sollte zudem auf das richtige Maß geachtet werden. Denn zu viel intensiver Sport kann auch einen Stressfaktor für den Körper darstellen und die Cortisolwerte steigen lassen. Die meisten Menschen in unserer modernen Welt bewegen sich jedoch eher zu wenig als zu viel.
Obwohl intensiver Sport kurzfristig die Cortisol-Werte steigen lassen kann, führt regelmäßiger Sport in richtiger Dosierung langfristig vielmehr zu niedrigeren Cortisolwerten.
Cortisol senken durch erholsamen Schlaf
Schlaf und Cortisol hängen eng zusammen. Denn ausreichend Erholung ist von großer Bedeutung für die Stressregulation – und Schlaf ist die wichtigste Form der Erholung für den Körper. So zeigte bereits eine Untersuchung aus den 90ern, dass bereits nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf die Cortisolwerte am nächsten Abend deutlich höher ausfielen2.
Die wichtigsten Faktoren für erholsamen Schlaf sind:
- Feste, regelmäßige Schlafenszeiten: Jeden Tag möglichst zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen.
- Eine ausreichende Schlafdauer: Für die meisten Menschen sind etwa 7-8 Stunden Schlaf pro Nacht optimal.
- Förderliche Schlafumgebung: Ein kühles, ruhiges und dunkles Schlafzimmer mit frischer Luft.
- Entspannung am Abend: Eine beruhigende Abendroutine wie Lesen oder entspannende Musik.
- Blaulicht vermeiden: Künstliche Lichtquellen und helle Bildschirme mit hohem Blaulicht-Anteil können die Produktion des Schlafhormons Melatonin einschränken.
Tipp: Melatonin trägt zur Verkürzung der Einschlafzeit bei (bei Einnahme von 1 mg kurz vor dem Schlafengehen). Als Präparat ist Melatonin u.a. in Form von Sprays oder Kapseln erhältlich.

Abb. 5: Ausreichend Erholung ist von großer Bedeutung für die Stressregulation – und Schlaf ist die wichtigste Form der Erholung für den Körper.
Cortisol senken durch Zeit in der Natur
Zeit in der Natur kann wahre Wunder vollbringen – das liegt schließlich in der Natur des Menschen. So zeigt eine Studie mit dem Titel „Unlocking the Power of Nature“ (Die Kraft der Natur freisetzen) der Medizinischen Universität Wien, dass bereits der Aufenthalt von 20 Minuten im Wald zu Verringerung des Cortisolspiegels beitragen kann3. Das lässt sich auch gut mit Bewegung verbinden, wie bspw. ein Spaziergang durch einen nahegelegenen Wald oder die Laufrunde in den nächsten, größeren Stadtpark zu legen.
Cortisol senken durch Musik
Musik ist eine einfache Möglichkeit zur Entspannung. So zeigt eine große Meta-Analyse, dass Musikinterventionen sowohl körperliche Stressmarker wie Herzfrequenz, Blutdruck und Stresshormone als auch das subjektive Stressempfinden verringerten4. Dafür ist v.a. das Hören von langsamerer Musik (60-80 bpm) geeignet. Eine weitere interessante Forschungsarbeit legt nahe, dass das Hören von Musik während des Stillens nicht nur den Cortisolspiegel im Speichel der Mutter senken kann, sondern sogar die Milchmenge erhöhte5.
Tipp: Neben dem Hören oder Praktizieren von Musik können selbstverständlich auch weitere, individuelle Hobbys wie Malen oder Gärtnern zur Entspannung beitragen.
Cortisol senken durch soziale Kontakte
Zeit in guter Gesellschaft und mit Menschen zu verbringen, die man wertschätzt und mit denen man Lachen kann, unterstützt ebenfalls den Abbau von Stress. Auch körperliche Nähe wie Umarmungen von Freunden und Familie oder Kuscheln mit dem Partner kann die Entspannung fördern.
Für den Stressabbau kann es sogar hilfreich sein, wenn man sich selbst auf beruhigende Weise berührt, z.B. eine oder beide Hände auf das Herz oder den Bauch zu legen und das Herz oder die Atmung bewusst wahrzunehmen.

Abb. 6: Zeit in guter Gesellschaft und körperliche Nähe wie Umarmungen können beim Stressabbau unterstützen.
Cortisol senken durch Ernährung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann Blutzucker und Stoffwechsel stabilisieren und so auch den Cortisolspiegel regulieren. Regelmäßige Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre und eine im Allgemeinen gesunde Ernährung bilden hierfür die Basis. Darüber hinaus sollten Crash-Diäten vermieden werden, da ein zu starkes Kaloriendefizit Stress für den Körper bedeutet.
Daneben sollte sich der Konsum koffeinhaltiger Getränke in Grenzen halten, da Koffein den Cortisolspiegel erhöhen kann. Bei regelmäßigem Konsum fällt der Effekt zwar schwächer aus, verschwindet jedoch nicht ganz. Insbesondere am späten Nachmittag und Abend sollte auf Koffein verzichtet werden, da es den Schlaf beeinträchtigen kann – eine Tasse Kaffee am Morgen oder Vormittag ist bei guter Verträglichkeit wenig problematisch.
Außerdem ist es sinnvoll, auf Alkohol möglichst zu verzichten und das Feierabendbier zur Entspannung besser als alkoholfreie Variante zu genießen.
Cortisol senken durch Nahrungsergänzungsmittel?
Über die Ernährung hinaus wird auch erforscht, ob bestimmte Nahrungsergänzungsmittel zur Regulierung des Cortisolspiegels und des Stresslevels beitragen können. Zu den erforschten Stoffen gehören v.a. Pflanzenextrakte wie z.B.:
- Ashwagandha,
- Rhodiola rosea,
- Curcumin und
- Safran.
Zu Ashwagandha ist die Datenlage bislang am breitesten und am überzeugendsten. So zeigt eine Meta-Analyse, dass die Supplementierung von Ashwagandha bei Erwachsenen mit einer Reduktion des Cortisolspiegels assoziiert war6. Die Ergebnisse der einzelnen Studien fielen dabei jedoch sehr unterschiedlich aus, z.B. weil Dosierung und Präparate sehr unterschiedlich waren.
Fazit: Wie kann man Cortisol senken?
Wer Cortisol senken möchte, sollte v.a. auf einen gesunden Lebensstil und ausreichend Erholung achten. Regelmäßige Bewegung, guter Schlaf, Entspannungstechniken, eine ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte können helfen, Stress abzubauen und den Cortisolspiegel zu regulieren. Auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Ashwagandha werden in diesem Zusammenhang untersucht. Bei stark erhöhten Cortisolwerten oder anhaltenden Beschwerden ist jedoch eine ärztliche Abklärung wichtig.
FAQ – Häufige Fragen zum Thema Cortisol senken
Wie merke ich, dass mein Cortisolspiegel zu hoch ist?
Ein leicht erhöhter Cortisolspiegel kann sich z.B. durch innere Unruhe, Reizbarkeit, Schlafprobleme, Heißhunger oder häufigere Infekte bemerkbar machen. Diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Ein einzelnes Symptom reicht daher nicht aus, um auf zu viel Cortisol zu schließen. Bei deutlichen Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wie kann man den Cortisolspiegel senken?
Bei einem stressbedingt leicht erhöhten Cortisolspiegel steht v.a. der Abbau von chronischem Stress im Vordergrund. Am besten untersucht sind Achtsamkeit, Meditation und Entspannungsverfahren wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung. Auch regelmäßige, moderate Bewegung, erholsamer Schlaf, Zeit in der Natur und eine ausgewogene Ernährung können den natürlichen Tagesrhythmus des Cortisols unterstützen.
Kann Ashwagandha den Cortisolspiegel senken?
Zu Ashwagandha gibt es zahlreiche Studien in diesem Zusammenhang. In einer Meta-Analyse waren die Cortisolwerte bei gestressten Erwachsenen unter Ashwagandha niedriger als unter Placebo, wobei die Studien sehr unterschiedlich ausfielen und die Autoren weitere Forschung fordern. Eine cortisolsenkende oder stressreduzierende Wirkung ist zum aktuellen Zeitpunkt behördlich jedoch nicht anerkannt.
Kann Magnesium den Cortisolspiegel senken?
Es gibt einige Studien zum Zusammenhang zwischen Magnesium und Stress, die Ergebnisse zu Cortisol sind aber uneinheitlich. Jedoch kann Magnesium durchaus zur normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen psychischen Funktion beitragen.
Kann man durch Cortisol senken abnehmen?
Ein direkter Weg zum Abnehmen ist das Senken des Cortisolspiegels nicht. Zwar gehen höhere Cortisolwerte mit einem etwas höheren Körpergewicht und Taillenumfang einher, der Zusammenhang ist aber schwach und beweist keine Ursache. Hinter Übergewicht und Bauchfett stecken meist viele Faktoren. Weniger Stress, besserer Schlaf, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können jedoch helfen, Heißhunger zu vermeiden und ein gesundes Gewicht zu unterstützen.
Kann ein Hausarzt den Cortisolspiegel messen?
Ja, die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle und kann Cortisol im Blut, Speichel oder Urin bestimmen lassen. Ergeben sich konkrete Hinweise auf eine Störung, erfolgt meist eine Überweisung in die Endokrinologie.
Kann man den Cortisolspiegel selbst messen?
In Apotheken und online gibt es Speicheltests für zu Hause, die selbst bezahlt werden müssen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät jedoch davon ab, da die Qualität der Tests oft nicht ausreichend nachvollziehbar ist und die Ergebnisse stark von der Tageszeit abhängen und ohne das notwendige Fachwissen schwierig einzuordnen sind.
Quellen
- Rogerson, Wilding, et al., ‘Effectiveness of stress management interventions to change cortisol levels: a systematic review and meta-analysis’, Psychoneuroendocrinology, vol. 159, p. 106415, Jan. 2024. [Accessed: 5 October 2026].
- Leproult, Copinschi, et al., ‘Sleep Loss Results in an Elevation of Cortisol Levels the Next Evening’, Sleep, vol. 20, no. 10, pp. 865–870, Oct. 1997. [Accessed: 9 October 2026].
- Haluza, Kersten, et al., ‘Unlocking the Power of Nature: Insights from a 20-Minute Forest Visit on Well-Being’, Forests 2025, Vol. 16, Page 792, vol. 16, no. 5, p. 792, May 2025. [Accessed: 9 October 2026].
- de Witte, Spruit, et al., ‘Effects of music interventions on stress-related outcomes: a systematic review and two meta-analyses’, Health Psychol. Rev., vol. 14, no. 2, pp. 294–324, Apr. 2020. [Accessed: 9 October 2026].
- Lee, Chai, et al., ‘The effect of music on breastfeeding: a systematic review and meta-analysis of breast milk production, composition, and maternal stress’, Int. Breastfeed. J., vol. 21, no. 1, Dec. 2026. [Accessed: 9 October 2026].
- Fornalik, Malkiewicz, et al., ‘Hormonal Modulation with Withania somnifera: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized-controlled Trials’, Planta Med., vol. 92, no. 8, pp. 790–805, Jul. 2026. [Accessed: 9 October 2026].