Aktivkohle

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Aktivkohle
zuletzt aktualisiert: 13.11.2025
Lesedauer: 6 Min
von der Lebenskraftpur Redaktion
Ratgeber Aktivkohle
Aktivkohle

Aktivkohle

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Aktivkohle?
  2. Wirkung und Eigenschaften von Aktivkohle
  3. Anwendungsgebiete von Aktivkohle
    1. Medizinische Anwendung von Aktivkohle (innerlich)
    2. Anwendung von Aktivkohle in der Kosmetik und Zahnpflege
    3. Technische Nutzung von Aktivkohle
  4. Mögliche Nebenwirkungen von Aktivkohle und weitere Hinweise

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle (auch aktivierte Kohle, engl. Activated Charcoal) ist ein hochporöses, feinkörniges Kohlenmaterial mit einer extrem großen inneren Oberfläche. Sie wird meist durch kontrolliertes und vollständiges Verkohlen von pflanzlichen Rohstoffen wie Holz, Kokosschalen oder Torf gewonnen und durch spezielle Verfahren „aktiviert“. Durch diese Aktivierung entstehen unzählige feine Poren, die Aktivkohle in die Lage versetzen, unterschiedliche Stoffe an ihrer Oberfläche zu binden, ähnlich einem Schwamm.


Interessant zu wissen: Nur rund 4 g Aktivkohle können die Fläche eines gesamten Fußballfelds beherbergen.

Man unterscheidet vor allem zwischen:

  • Medizinischer Aktivkohle (für die innerliche Anwendung)
  • Kosmetischer Aktivkohle (z.B. in Masken, Zahncremes)
  • Technischer Aktivkohle (z.B. für Wasserfilter, Luftfilter)

Wirkung und Eigenschaften von Aktivkohle

Die besonderen Effekte von Aktivkohle beruhen auf ihrer Adsorptionsfähigkeit:
Sie bindet im Magen-Darm-Trakt oder in Flüssigkeiten bestimmte Gifte, Chemikalien, Gase und Stoffwechselprodukte an ihre Oberfläche, sodass diese nicht (oder weniger) in den Körper aufgenommen werden. Zu den Haupteigenschaften von Aktivkohle zählen:

  • Adsorption von Stoffen: Bindet Toxine, Bakteriengifte, Gase und manche Arzneimittel.
  • Entlastung des Verdauungstraktes: Medizinische Aktivkohle wird bei Blähungen und akutem Durchfall eingesetzt.
  • Kosmetische Effekte: In Masken und Reinigungsprodukten soll Aktivkohle Talg, Schmutz und Umweltgifte von der Hautoberfläche binden.
  • Reinigung und Aufbereitung von Gasen und Flüssigkeiten: Einsatz in Wasserfiltern und Luftreinigern zur Entfernung unerwünschter Stoffe.

Aktivkohle neutralisiert nicht chemisch, sondern bindet – sie funktioniert also wie ein Schwamm für bestimmte Moleküle.

Anwendungsgebiete von Aktivkohle

Medizinische Anwendung von Aktivkohle (innerlich)

Medizinische Aktivkohle wird seit Langem in der Humanmedizin eingesetzt und dient vor allem dazu, bestimmte Stoffe im Magen-Darm-Trakt zu binden und deren Aufnahme in den Körper zu reduzieren. Typische Anwendungsgebiete sind z.B.:

  • Akuter Durchfall (z.B. Reisedurchfall)
    Medizinische Aktivkohle kann im Rahmen einer kurzfristigen Behandlung eingesetzt werden, um wässrige Durchfälle zu lindern, weil sie neben ungewollten Bakterien auch deren Stoffwechselprodukte und überschüssiges Wasser binden kann. Sie ersetzt jedoch keine ärztliche Abklärung, wenn der Durchfall länger anhält oder von Fieber und starken Schmerzen begleitet wird.
  • Bindung bestimmter Gifte und Chemikalien (nur unter ärztlicher Kontrolle)
    In bestimmten Fällen kann medizinische Aktivkohle eingesetzt werden, um Gifte oder chemische Substanzen im Magen-Darm-Bereich zu binden. Dies darf ausschließlich nach ärztlicher Anweisung oder in einer Notaufnahme erfolgen, da Art und Menge des Giftes, Zeitpunkt der Einnahme und weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus wird Aktivkohle auch bei Arzneimittelüberdosierungen eingesetzt.
  • Linderung von Blähungen und übermäßiger Gasbildung im Darm
    Medizinische Aktivkohle kann auch dazu beitragen, Gase im Darm zu binden und so Blähungen und Völlegefühl zu reduzieren. Sie wird hier oft unterstützend eingesetzt, z.B. bei Neigung zu vermehrter Gasbildung nach bestimmten Speisen.

Bei der innerlichen Anwendung sollten ausschließlich Produkte genutzt werden, die ausdrücklich als medizinische Aktivkohle oder Medizinkohle zugelassen sind. Diese unterliegen entsprechenden Qualitätsanforderungen und sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, z.B. als:

  • Tabletten
  • Kapseln
  • Pulver zur Einnahme in Wasser oder anderen Flüssigkeiten

Vor allem bei längerfristiger oder hochdosierter Anwendung ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen, da Aktivkohle auch gleichzeitig eingenommene Medikamente binden und deren Wirkung beeinträchtigen kann.

Anwendung von Aktivkohle in der Kosmetik und Zahnpflege

Auch in der Kosmetik ist Aktivkohle inzwischen weit verbreitet. Aufgrund ihrer großen Oberfläche und ihrer Fähigkeit, verschiedene Stoffe zu binden, wird sie vor allem in Produkten zur Reinigung und Klärung der Haut eingesetzt. Beispiele sind:

  • Gesichtsmasken zur Tiefenreinigung der Haut
    Aktivkohle-Masken sollen überschüssigen Talg, Schmutzpartikel und Rückstände aus den Poren aufnehmen und so das Hautbild verfeinern. Nach einer gewissen Einwirkzeit wird die Maske abgewaschen oder abgezogen und die Haut ist gereinigt und mattiert.
  • Peelings und Waschgels zur Entfernung von Talg und Schmutz
    In Reinigungsprodukten für Gesicht und Körper kann Aktivkohle helfen, Fett und Verunreinigungen zu binden. In Kombination mit milden Tensiden und/oder Peelingpartikeln wird dadurch eine gründliche, aber möglichst sanfte Reinigung erreicht.
  • Zahncremes oder Zahnpulver zur optischen Aufhellung der Zähne
    Aktivkohle wird in Whitening-Zahnpasten oder -Pulvern verwendet, um Verfärbungen auf der Zahnoberfläche zu reduzieren. Der aufhellende Effekt beruht dabei in erster Linie auf einer Politur der Zahnoberfläche, nicht auf einem chemischen Bleichvorgang. Bei sehr häufigem oder zu kräftigem Bürsten sollte man jedoch vorsichtig sein, um den Zahnschmelz nicht zu stark zu beanspruchen.

Technische Nutzung von Aktivkohle

Neben medizinischen, naturheilkundlichen und kosmetischen Anwendungen hat Aktivkohle einen festen Platz in verschiedenen technischen Bereichen, insbesondere in der Filter- und Reinigungstechnik. Häufige Einsatzgebiete sind z.B.:

  • Wasserfilter
    Aktivkohle wird in vielen Wasserfiltersystemen genutzt, um Geruchs- und Geschmacksstoffe, Chlor sowie bestimmte organische Verunreinigungen aus dem Wasser zu entfernen. So kann Leitungswasser angenehmer schmecken und von unerwünschten Stoffen befreit werden.
  • Luftfilter (z.B. Dunstabzugshauben, Raumfilter)
    In Luftfiltersystemen hilft Aktivkohle, Gerüche und gasförmige Schadstoffe zu binden. In Dunstabzugshauben, Luftreinigern oder Klimageräten trägt sie dazu bei, die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern.
  • Industrielle Anwendungen zur Reinigung von Gasen und Flüssigkeiten
    In der Industrie wird Aktivkohle in großem Umfang zur Reinigung und Aufbereitung von Gasen und Flüssigkeiten eingesetzt. Sie kann bspw. Lösungsmittelrückstände, Schadstoffe oder andere unerwünschte Bestandteile aus Prozessströmen entfernen und ist damit ein wichtiger Bestandteil moderner Umwelt- und Verfahrenstechnik.

Mögliche Nebenwirkungen von Aktivkohle und weitere Hinweise

Aktivkohle gilt bei richtiger Anwendung als gut verträglich. Trotzdem gibt es einige wichtige Punkte, die man bei der Einnahme beachten sollte:

  • Verdauung: Aktivkohle kann Verstopfung verursachen, seltener Übelkeit oder Erbrechen. Der Stuhl färbt sich bei der Einnahme von Aktivkohle häufig schwarz – das ist aber in der Regel harmlos.
  • Wechselwirkungen: Aktivkohle kann gleichzeitig eingenommene Medikamente und Nährstoffe binden. Daher sollte ein Abstand von mindestens 2 Stunden zwischen Medikamenten und Aktivkohle eingehalten werden (sofern nicht anders ärztlich verordnet).
  • Wann nicht anwenden: Aktivkohle ist nicht geeignet bei Darmverschluss, starken Bauchschmerzen unklarer Ursache, anhaltendem/starkem Durchfall, Fieber oder Blut im Stuhl – hier ist ärztliche Abklärung nötig.
  • Äußerliche Anwendung: In Cremes oder Masken ist Aktivkohle in der Regel gut verträglich; bei sehr empfindlicher Haut können Trockenheit oder Reizungen auftreten.

FAQ – Häufige Fragen zu Aktivkohle

Wofür ist Aktivkohle gut?


Aktivkohle ist vor allem dafür gut, unerwünschte Stoffe zu binden. Sie wird z.B. eingesetzt:

  • in der Medizin bei akutem Durchfall oder zur Bindung von Giftstoffen (unter ärztlicher Kontrolle),
  • in der Kosmetik, z.B. in Gesichtsmasken zur Tiefenreinigung oder in Zahncremes zur optischen Aufhellung der Zähne,
  • in Wasser- und Luftfiltern, um Geruchs-, Geschmacks- und Schadstoffe zu entfernen.

Woraus besteht Aktivkohle?


Aktivkohle wird aus kohlenstoffreichem, organischem Material gewonnen – z.B. aus Kokosnussschalen, Holz, Torf oder Kohle. Dieses Ausgangsmaterial wird zunächst verkohlt und anschließend „aktiviert“. So entsteht eine sehr poröse Struktur mit großer Oberfläche, die zahlreiche Stoffe binden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Kohle und Aktivkohle?


Aktivkohle ist eine speziell gereinigte und stark poröse Form von Kohle. Durch ihre große Oberfläche kann sie gezielt Stoffe binden und wird daher z.B. in der Medizin, in Wasserfiltern und in der Kosmetik eingesetzt. „Normale“ Kohle wie Grill-, Stein- oder Braunkohle dient vor allem als Brennstoff und ist – im Gegensatz zu medizinischer Aktivkohle – nicht zur innerlichen Einnahme geeignet.

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