Was tun bei Reizdarm?
Das Reizdarmsyndrom gehört zu den häufigsten funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen und kann den Alltag stark beeinträchtigen – auch wenn keine organische Ursache gefunden wird. Die Beschwerden reichen von Bauchschmerzen über Blähungen bis hin zu Durchfall oder Verstopfung und entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel aus Darmflora, Darm-Hirn-Achse, Ernährung und Psyche. Dieser Ratgeber zeigt, wie Betroffene ihren Reizdarm beruhigen, individuelle Auslöser erkennen und mit einer Kombination aus Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und natürlichen Präparaten wieder mehr Lebensqualität gewinnen können.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Reizdarm?
- Symptome bei Reizdarm
- Reizdarm: Ursachen und Auslöser
- Was hilft bei Reizdarm?
- Natürliche Präparate und Hausmittel gegen Reizdarm
- Was essen bei Reizdarm?
- Psyche stabilisieren und Bewegung als Teil der Reizdarm-Behandlung
- Fazit: Was tun bei Reizdarm?
Was tun bei Reizdarm? – Das Wichtigste in Kürze
- Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung ohne nachweisbare organische Ursache und wird als Ausschlussdiagnose gestellt.
- Typische Symptome eines Reizdarmsyndroms sind Bauchschmerzen, Blähungen sowie unregelmäßiger Stuhlgang (Durchfall, Verstopfung oder beides).
- Man geht davon aus, dass beim Reizdarmsyndrom mehrere Faktoren zusammenwirken, z.B. ein überempfindlicher Darm, Veränderungen der Darmflora, Entzündungen, Ernährung, Stress und psychische Belastungen.
- Zu den Hausmitteln und natürlichen Präparaten, die Reizdarm-Patienten helfen könnten, zählen z.B. Kräutertees, Pfefferminzöl-Kapseln, lösliche Ballaststoffe (z.B. Flohsamenschalen), Probiotika, Glutamin, Melatonin und Vitamin D.
- Die Ernährung spielt beim Reizdarmsyndrom eine zentrale Rolle – gut verträglich sind z.B. Gemüse und Obst mit löslichen Ballaststoffen, Hafer, Dinkel und fermentierte Milchprodukte. Die Low-FODMAP-Diät hilft vielen Betroffenen.
- Regelmäßige Bewegung wie Yoga, Radfahren oder Schwimmen ist für nahezu alle Reizdarm-Patienten zu empfehlen, unterstützt eine normale Organfunktion und verbessert sowohl die Stimmung als auch die Lebensqualität.
- Auch psychische Faktoren spielen beim Reizdarmsyndrom eine Rolle; Psychotherapie und Entspannungstechniken scheinen den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
- Die Behandlung des Reizdarmsyndroms richtet sich nach den führenden Beschwerden und basiert idealerweise auf einem ganzheitlichen Ansatz. Eine individuelle Kombination verschiedener Therapiebausteine führt meist zu den besten Ergebnissen.
Was ist ein Reizdarm?
Das Reizdarmsyndrom (RDS; Englisch Irritable Bowel Syndrome (IBS)) gehört zu den häufigsten funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen, ist also eine Störung ohne direkt nachweisbare organische Ursache. Aufgrund fehlender spezifischer Krankheitsmarker ist das Reizdarmsyndrom daher eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, wenn Betroffene langfristig (mind. 3 Monate) und regelmäßig unter typischen Darmbeschwerden leiden, für die keine andere Ursache gefunden werden kann, wird ein Reizdarm diagnostiziert.
So müssen für die Reizdarm-Diagnose bspw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Krankheiten wie Zöliakie ausgeschlossen werden, die zu ähnlichen Symptomen führen können. Bei der Anamnese werden häufig auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen berücksichtigt, da sich diese ebenfalls auf die Verdauung auswirken können.
Früher wurden Betroffene dabei häufig mit Aussagen wie „Das ist nur Stress“ abgespeist. Heute weiß man jedoch aus zahlreichen Studien, dass Reizdarm – trotz fehlender eindeutiger Ursache – eine reale körperliche Erkrankung ist, die aus komplexen Wechselwirkungen zwischen Darm, Nervensystem, Psyche und Ernährung resultiert und die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich einschränken kann.
Gut zu wissen: Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 10 bis 15 % der Bevölkerung vom Reizdarmsyndrom betroffen, wobei Frauen etwas häufiger darunter leiden als Männer.
Symptome bei Reizdarm
Reizdarm ist keine gefährliche Erkrankung mit langfristigen Schäden, jedoch aber eine Störung mit vielen Gesichtern, die das Wohlbefinden massiv beeinflussen kann. Das Reizdarmsyndrom zeigt sich sehr unterschiedlich – von leichten, regelmäßigen Beschwerden bis hin zu dauerhaften, stark belastenden Symptomen. Betroffene leiden meist unter wiederkehrenden Unterbauchschmerzen, unregelmäßigem Stuhlgang oder Völlegefühl und Blähungen. Die Beschwerden treten dabei häufig in Verbindung mit den Mahlzeiten und bestimmten Lebensmitteln auf.
Dabei können sich die Symptome jedoch von Person zu Person stark unterscheiden. So wird anhand der Veränderungen des Stuhlgangs nach verschiedenen Reizdarm-Typen differenziert:
- RDS-D: Diarrhoe-dominanter Typ (Durchfall als Leitsymptom)
- RDS-O: Obstipation-dominanter Typ (Verstopfung als Leitsymptom)
- RDS-M: Gemischter Typ (beides tritt regelmäßig auf)
Neben diesen Hauptsymptomen kommen häufig unspezifische Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder innere Unruhe hinzu.
Hinweis: Leichte und gelegentliche Magen-Darm-Beschwerden sind kein Grund zur Sorge und kein Anzeichen für einen Reizdarm. Wenn die Beschwerden jedoch über einen langen Zeitraum mehrmals pro Woche auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Reizdarm: Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang nicht vollständig geklärt und Gegenstand der medizinischen Forschung. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, die sich wiederum gegenseitig verstärken können. Eine Schlüsselrolle könnte dabei die gestörte Kommunikation zwischen Darm und Gehirn sein, die auch als Darm-Hirn-Achse bezeichnet wird. Zu den konkreten, diskutierten Ursachen gehören:
- Ein überempfindlicher Darm und gestörte Darmbewegung: Viele Betroffene weisen eine erhöhte Empfindlichkeit der Darmnerven auf, sodass selbst normale Dehnungen durch Nahrung oder Gasbildung als Schmerzen wahrgenommen werden. Zudem kann die Bewegung der Darmmuskulatur (Peristaltik) verändert sein: Bei manchen verlangsamt sie sich, was zu Verstopfung führt, während sie bei anderen überaktiv ist und Durchfall begünstigt.
- Veränderungen der Darmflora: Ein weiterer wichtiger Faktor scheint das Darm-Mikrobiom zu sein – also die Gesamtheit der Darmbakterien. So zeigen Untersuchungen, dass viele Reizdarm-Patienten eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora aufweisen. Hier ist jedoch noch unklar, ob es eher Ursache oder Folge des Syndroms ist. Außerdem kann das Reizdarmsyndrom insbesondere nach Magen-Darm-Infekten auftreten und geht darüber hinaus auch häufig mit SIBO (small intestinal bacterial overgrowth) einher – einer unnormalen Vermehrung von Bakterien im Dünndarm.
- Entzündliche und immunologische Prozesse: Untersuchungen legen auch nahe, dass bei einigen Betroffenen niedriggradige, chronische Entzündungen in der Darmschleimhaut vorliegen, die die Nerven reizen, die Darmbarriere schwächen (Stichwort: Leaky-Gut-Syndrom) und zu einer Überaktivierung des lokalen Immunsystems führen können.
- Stress und Psyche: Stress gilt als einer der wichtigsten Verstärker und Auslöser von Reizdarm-Symptomen. Über das vegetative Nervensystem beeinflusst psychischer Stress die Darmbewegung, die Durchblutung und somit auch die Verdauung. Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden in emotional belastenden Phasen zunehmen. Auch Angststörungen und Depressionen treten überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit einem Reizdarmsyndrom auf.
- Ernährungsfaktoren und Unverträglichkeiten: Auch die Ernährung darf nicht außer Acht gelassen werden und spielt eine bedeutende Rolle: Viele Betroffene reagieren äußerst empfindlich auf blähende oder schwer verdauliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln und bestimmte Zuckerarten (sog. FODMAPs; dazu unten mehr). Eine individuell angepasste Ernährung kann daher helfen, potenzielle Auslöser zu eliminieren und Beschwerden zu lindern.
Was hilft bei Reizdarm?
Die Behandlung des Reizdarmsyndroms richtet sich nach den führenden Beschwerden und basiert idealerweise auf einem ganzheitlichen Ansatz. Da es keine einzelne, allgemeingültige Therapie für alle Betroffene gibt, gilt: Die Behandlung ist individuell und sollte mehrere Bausteine kombinieren. Daher sollte stets berücksichtigt werden, dass keine der im Nachfolgenden vorgestellten Optionen bei jedem hilft – die Effektivität und Verträglichkeit von Hausmitteln, Präparaten oder Ernährungsempfehlungen ist bei Reizdarm-Patienten höchst individuell.
Hinweis: Aufgrund der hohen Komplexität des Reizdarmsyndroms sollte für die Diagnose und Behandlung stets ein Arzt oder fachkundiger Therapeut aufgesucht werden. Dabei können verschiedene Symptome wie Durchfall oder Verstopfung auch gezielt medikamentös behandelt werden.
Natürliche Präparate und Hausmittel gegen Reizdarm
Viele Betroffene finden bereits durch einfache natürliche Maßnahmen, die den Darm beruhigen, sanfte Linderung. Dazu gehören:
- Kräutertee: Tee mit Kamille, Kümmel oder Pfefferminze gehört wohl zu den bewährtesten Hausmitteln bei jeglichen Magen-Darm-Beschwerden und kann den ein oder anderen auch bei leichter Reizdarm-Symptomatik unterstützen.
- Pfefferminzöl: In magensaftresistenten Kapseln verpacktes Pfefferminzöl gilt als effektiver, pflanzlicher Helfer bei Reizdarm-bedingten Schmerzen. Die Linderung hält dabei jedoch nur so lange an, wie es eingenommen wird, und führt nicht zur langfristigen Besserung1.
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Flohsamenschalen und andere Ballaststoffe: Der Konsum von Ballaststoffen und ballaststoffreichen Lebensmitteln kann für Reizdarm-Patienten eine Herausforderung sein und unter Umständen die Symptome sogar verschlechtern. Jedoch kommt es hierbei vor allem auf die Art der Ballaststoffe an. Denn die sog. löslichen Ballaststoffe zeigen sich beim Reizdarmsyndrom als äußerst vielversprechend. Insbesondere Flohsamenschalen können durch ihre besondere Eigenschaft der Gelbildung die Verdauung und Darmbewegung regulieren und sowohl bei Durchfall als auch Verstopfung helfen. Es wird empfohlen, täglich bis zu 20 g Flohsamenschalen mit etwa 500 ml Wasser einzunehmen. Um die Verträglichkeit zu erhöhen, sollte mit nur wenigen Gramm gestartet, die Menge langsam erhöht und auf ausreichend Flüssigkeit geachtet werden2.
Auch andere, spezielle Ballaststoffe wie z.B. teilhydrolysierte Guarbohnenfaser zeigen in Studien positive Ergebnisse bzgl. der Linderung von Blähungen bei Reizdarmsyndrom, die sogar nach Absetzen des Präparats mehrere Wochen anhalten können3. - Probiotika: Auch die Einnahme von Probiotika – also lebenden Mikroorganismen mit positiven Eigenschaften – wird in der Forschung zum Reizdarmsyndrom heiß diskutiert. Ein Nutzen zur Verbesserung der Gesamtsymptomatik scheint gegeben zu sein – jedoch ist bislang noch unklar, welche Bakterienstämme in welcher Menge am effektivsten sind. Bakterienstämme aus den Gattungen Bifidobacterium und Lactobacillus zeigen sich bisher als vielversprechend4.
- Glutamin: Bei Patienten mit Durchfall-dominantem Reizdarmsyndrom in Folge einer Magen-Darm-Infektion kann laut einer Studie die Aminosäure Glutamin zu maßgeblichen Verbesserungen der Gesamtsymptomatik und der Darmbarriere-Funktion führen. Hierfür erhielten die Teilnehmer über 8 Wochen dreimal täglich 5 g Glutamin4.
- Melatonin: Eine weitere Übersichtsarbeit über 4 einzelne Studien bescheinigt dem „Schlafhormon“ Melatonin eine lindernde Wirkung bei Reizdarmsyndrom. Dabei konnte die Einnahme von Melatonin sowohl den Gesamtschweregrad des Reizdarms als auch die Schmerzintensität und die allgemeine Lebensqualität der Betroffenen verbessern5.
- Vitamin D: Auch Vitamin D wird als Faktor zur Behandlung des Reizdarmsyndroms betrachtet, indem es an der Regulation der Darmbarrierefunktion, von Entzündungen und an der Regulation des Immunsystems beteiligt ist. Obwohl bisher noch aussagekräftige Studien zum direkten Nutzen des wichtigen Vitamins fehlen, sollten dennoch alle Reizdarm-Patienten zumindest darauf achten, einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden2.
Tipp: Auch eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder sanfte kreisende Bauchmassagen können bei Krämpfen und Bauchschmerzen für Entspannung sorgen.
Was essen bei Reizdarm?
Allgemeingültige Ernährungsempfehlungen für Reizdarm-Patienten gibt es nicht. Die Verträglichkeit von Lebensmitteln ist höchst individuell. Dennoch gibt es einige Ansätze, die zumindest für viele Betroffene funktionieren. Eine insgesamt gesunde, ausgewogene und vielfältige Ernährung sollte dabei stets im Fokus stehen.
Die grundsätzlichen Ernährungsempfehlungen bei Reizdarmsyndrom sind in nachfolgender Tabelle dargestellt2. Selbstverständlich sollten dennoch keine Lebensmittel in größeren Mengen verzehrt werden, die individuell schlecht vertragen werden.
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Was essen bei Reizdarm? |
Was nicht essen bei Reizdarm? |
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Konsum einschränken:
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Verträglichkeit prüfen:
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Tab. 1: Empfohlene und zu vermeidende Lebensmittel bei Reizdarmsyndrom im Überblick
In zweiter Linie schlägt auch die sog. Low-FODMAP-Ernährung bei vielen Reizdarm-Patienten positiv an. Dabei werden bestimmte, schwer verdauliche Kohlenhydrate zeitweise aus der Ernährung gestrichen. Denn diese können häufig nicht vollständig vom Dünndarm aufgenommen werden und gelangen in Folge in den Dickdarm, wo sie Wasser ziehen können und zu Gasen umgewandelt werden – Durchfall und Blähungen sind die Folge. Das Akronym FODMAP steht für die englischen Worte „fermentable oligo-, di-, monosaccharides, and polyols“. Zu Deutsch heißt das etwa „vergärbare Mehrfach-, Zweifach-, Einfachzucker und Zuckeralkohole“.
Zu den Lebensmitteln, die reich an FODMAPs sind und im Rahmen der Diät reduziert werden sollten, gehören u.a.:
- Weizenprodukte
- Bestimmtes Gemüse wie z.B. Zwiebeln, Blumenkohl, Spargel, Brokkoli oder Pilze
- Bestimmte Früchte wie z.B. Äpfel, Mangos, Weintrauben, Feigen oder Wassermelone
- Bestimmte Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Kichererbsen
- Milch und Milchprodukte
- Zuckeraustauschstoffe wie Sorbitol, Mannitol und Xylitol
Die Low-FODMAP-Diät wird vor allem bei den Leitsymptomen Schmerzen, Blähungen und Durchfall erfolgreich eingesetzt – teilweise jedoch auch bei Verstopfung. Sie erfolgt in 3 Phasen und idealerweise in Begleitung einer Ernährungsfachkraft:
- Elimination: Über 4-8 Wochen werden FODMAP-reiche Lebensmittel möglichst komplett vermieden.
- Toleranzfindung: Über 6-10 Wochen werden einzelne FODMAP-haltige Lebensmittel wieder langsam eingeführt, um die Verträglichkeit zu testen. Die Menge der einzelnen Lebensmittel (-Gruppen) wird dabei z.B. über eine 3-Tages-Periode stufenweise erhöht. Zwischen der Einführung verschiedener Lebensmittel sollten immer 1 bis 2 Tage pausiert werden, um mögliche Symptome klar zuordnen zu können.
- Langzeit-Ernährung: Gut verträgliche Lebensmittel aus der Toleranzfindungs-Phase können langfristig und in Maßen wieder in die Ernährung eingeführt werden, um die Lebensmittelvielfalt zu erhöhen.
Gut zu wissen: Ernährungsempfehlungen wie „laktosefreie Ernährung“ oder „glutenfreie Ernährung“ werden grundsätzlich nicht für Reizdarm-Patienten empfohlen. Denn in der Praxis kann oft beobachtet werden, dass solche Ernährungsformen bei mangelndem Wissen zu Nährstoffmängeln führen. Das kann z.B. passieren, wenn Milchprodukte oder Vollkorngetreide durch minderwertigere Alternativen ersetzt werden. Nichtsdestotrotz profitieren einige Menschen bspw. vom Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Dies sollte jedoch nur bei gutem Ernährungswissen auf eigene Faust oder idealerweise in Begleitung einer Ernährungsfachkraft durchgeführt werden.
Bei Verstopfungs-dominantem Reizdarmsyndrom wird dagegen die erhöhte Zufuhr von löslichen Ballaststoffen empfohlen. Lösliche Ballaststoffe haben im Vergleich zu den unlöslichen die Fähigkeit, große Mengen Wasser zu binden und so Gele zu bilden. Auf diese Weise regulieren sie die Verdauung, regen die Darmtätigkeit an und können zudem das Wachstum guter Darmbakterien fördern2.
Zu den Lebensmitteln reich an löslichen Ballaststoffen gehören z.B. Gemüse wie Karotten, Tomaten, Zucchini, Gurken, Paprika, Spinat, Kürbis oder Salat. Zu i.d.R. gut verträglichen Früchten werden vor allem Beerenfrüchte und Zitrusfrüchte gezählt. Alternativ können auch geschrotete Leinsamen oder Flohsamenschalen genutzt werden, um möglichst auf täglicher Basis ausreichend lösliche Ballaststoffe zuzuführen.
Weitere Ernährungstipps wie das Essen kleinerer, aber häufiger Mahlzeiten, das Vermeiden von Alkohol oder die Zubereitungsart können Reizdarm-Patienten helfen. So sind manche Obstsorten geschält z.B. deutlich besser verträglich und manches Gemüse wird erst durch Kochen bekömmlich. Auch die Verträglichkeit von Hülsenfrüchten kann teilweise verbessert werden, wenn diese vor dem Kochen mehrere Stunden eingeweicht werden.
Psyche stabilisieren und Bewegung als Teil der Reizdarm-Behandlung
Bei der ganzheitlichen Behandlung des Reizdarmsyndroms sollten auch psychische Interventionen und Bewegung nicht außer Acht gelassen werden. So scheinen auch Psychotherapie und Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen zu können. Auch Hypnose wird als mögliche Therapieoption untersucht und bereits eingesetzt.
Regelmäßige körperliche Aktivität ist für nahezu alle Reizdarm-Betroffenen zu empfehlen und somit wichtiger, unterstützender Bestandteil der Reizdarm-Therapie. Bewegung unterstützt dabei nicht nur die Gesamtgesundheit und normalen Organfunktionen, sondern trägt auch langfristig zu besserer Stimmung und höherer Resilienz bei. Daher trägt regelmäßiger Sport wie Radfahren, Schwimmen oder Yoga an mehreren Tagen pro Woche zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bei.
Fazit: Was tun bei Reizdarm?
Das Reizdarmsyndrom ist zwar keine gefährliche, aber eine äußerst belastende Erkrankung, die eine ganzheitliche und individuelle Behandlung erfordert. Eine Kombination aus angepasster Ernährung, gezielter Stressreduktion, moderater Bewegung und – je nach Beschwerden – unterstützenden Präparaten kann die Symptome deutlich lindern und langfristig sogar beschwerdefreie Phasen ermöglichen. Wichtig ist, persönliche Trigger zu erkennen und nachhaltige Routinen zu entwickeln. Wer seinen Körper versteht und unterstützt, kann seinen Reizdarm wirksam beruhigen und das Wohlbefinden nachhaltig verbessern.
FAQ – Häufige Fragen zum Thema Reizdarm behandeln
Was sollte man nicht essen bei Reizdarm?
Es gibt nichts, was man bei Reizdarm grundsätzlich nicht essen sollte. Viele Betroffene reagieren jedoch empfindlich auf schwer verdauliche Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Kohl, Hülsenfrüchte oder Weizenprodukte. Da die Verträglichkeit individuell ist, sollte man persönliche Trigger beobachten. Die Low-FODMAP-Ernährung ist eine etablierte, vorübergehende Ernährungsform bei Reizdarm, bei der Lebensmittel mit bestimmten Kohlenhydraten vermieden werden.
Was ist das beste Mittel gegen Reizdarm?
Ein einzelnes „bestes Mittel“ gegen Reizdarm gibt es nicht. Am wirksamsten ist eine individuelle Kombination aus Ernährung (z.B. Low-FODMAP-Diät), Stressreduktion, regelmäßiger Bewegung, ggf. Präparaten wie Probiotika oder Flohsamenschalen und bei Bedarf medizinischer Behandlung.
Was beruhigt einen Reizdarm?
Wärme, sanfte Bauchmassagen, Kräutertees, Entspannungstechniken und Pfefferminzöl-haltige Kapseln können den Darm kurzfristig beruhigen. Langfristig kann eine ganzheitliche Therapie mit Ernährungsumstellung, Stressreduktion und regelmäßiger Bewegung Linderung verschaffen.
Was verschlimmert einen Reizdarm?
Stress, hastiges Essen, große Portionen, FODMAP-reiche Lebensmittel, Alkohol, sehr fettes Essen oder Lebensmittel reich an unlöslichen Ballaststoffen können Reizdarm-Symptome verstärken.
Hat Reizdarm etwas mit der Psyche zu tun?
Ja, Stress und psychische Belastungen beeinflussen über die Darm-Hirn-Achse die Verdauung und können Reizdarm-Symptome verstärken. Das bedeutet aber nicht, dass der Reizdarm „eingebildet“ ist – er ist eine reale körperliche Störung.
Was passiert, wenn man einen Reizdarm nicht behandelt?
Das Reizdarmsyndrom verursacht keine gefährlichen Komplikationen, kann aber die Lebensqualität stark einschränken. Unbehandelt bleiben Beschwerden wie Schmerzen, Blähungen oder Durchfall oft bestehen.
Kann Reizdarm wieder weggehen?
Ja, das ist möglich. Viele Betroffene erleben deutliche Verbesserungen oder längere beschwerdefreie Phasen – besonders durch Ernährungsumstellung, Stressreduktion und einen individuellen Therapieansatz.
Quellen
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