Magnesium bei Migräne
Magnesium bei Migräne wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht – mit vielversprechenden Ergebnissen. Studien zeigen, dass eine ausreichende Magnesiumversorgung die Häufigkeit und den Schweregrad von Migräneattacken reduzieren kann und damit eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Therapie darstellt. Doch wie zuverlässig ist Magnesium zur Migräne-Prophylaxe, welche Dosierung ist sinnvoll und welche Magnesiumverbindungen eignen sich besonders gut, um Migräne vorzubeugen? Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand der Forschung verständlich zusammen.
Inhaltsverzeichnis
- Hilft Magnesium bei Migräne und eignet es sich zur Migräne-Prophylaxe?
- Dosierung: Wieviel Magnesium bei Migräne?
- Welches Magnesium hilft bei Migräne?
- Magnesium hilft nicht nur bei Migräne
- Fazit: Mit Magnesium Migräne vorbeugen
Magnesium bei Migräne – Das Wichtigste in Kürze
- Magnesium kann die Häufigkeit und den Schweregrad von Migräneattacken sowie die Anzahl der Migräne-Tage reduzieren, nicht jedoch die Dauer einzelner Migräneattacken.
- Studien zeigen, dass Migräne-Patienten häufig niedrigere Magnesiumwerte im Blut, in den Zellen und im Gehirn aufweisen.
- Für die Migräne-Prophylaxe mit Magnesium werden in Studien meist 400–600 mg pro Tag verwendet, die Dosierung ist jedoch abhängig von der Bioverfügbarkeit der Magnesiumverbindungen.
- Gut bioverfügbare Magnesiumverbindungen wie Magnesiumcitrat, -bisglycinat oder -malat sind zu bevorzugen; Magnesium L-Threonat und Magnesiumacetyltaurat könnten aufgrund ihrer hervorragenden Bioverfügbarkeit im Gehirn bei Migräne besonders interessant sein.
- Magnesium kann nicht nur Migräne vorbeugen, sondern scheint auch bei Spannungskopfschmerzen und Cluster-Kopfschmerzen zu helfen.
Hilft Magnesium bei Migräne und eignet es sich zur Migräne-Prophylaxe?
Migräne zählt neben Spannungskopfschmerzen zu den häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und kann die Lebensqualität Betroffener stark einschränken. So leiden in Deutschland laut Umfragen ca. 58 % der Frauen und 44 % der Männer regelmäßig unter Kopfschmerzen, wobei fast 15 % der Frauen und 6 % der Männer von Migräne betroffen sind1. Viele Betroffene möchten auf die regelmäßige Verwendung von Schmerzmitteln verzichten und suchen daher nach natürlichen Alternativen.
Magnesium wird in der Wissenschaft bereits seit über 30 Jahren als potenzieller Helfer gegen Migräne diskutiert. Denn der Mineralstoff hat vielfältige Aufgaben im Körper – vom Energiestoffwechsel über die Reizweiterleitung des Nervensystems hin zur Unterstützung einer gesunden Psyche. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass Migräne-Patienten häufig verminderte Magnesiumwerte im Blut, in den Zellen und auch in bestimmten Gehirnregionen aufweisen2.
Doch bevor Sie nun Ihren Magnesiumspiegel beim Arzt prüfen lassen – diese Unterversorgung an Magnesium ist nicht immer im Blutserum messbar, wie die Wissenschaftler betonen. Denn das Blutserum enthält nur etwa 1-2 % des gesamten Magnesiums im Körper und ist daher wenig repräsentativ für die tatsächliche Versorgung. Das bedeutet: Auch wenn die Magnesiumwerte im Blutserum gut aussehen, kann dennoch ein Magnesiummangel in den Zellen vorliegen.
Tipp: Wenn Sie Ihre Magnesiumversorgung wissen möchten, lassen Sie diese aus dem Vollblut und nicht aus dem Blutserum bestimmen. Denn das Vollblut enthält im Gegensatz zum Serum noch die Blutzellen und ist für die Magnesiumbestimmung deutlich aussagekräftiger.
In einer aktuellen Meta-Analyse fassten Forscher die Ergebnisse aus 4 Magnesium-Studien mit insgesamt 258 Teilnehmern zusammen und konnten folgende Ergebnisse vorlegen: Die vorbeugende Magnesium-Einnahme führt zu einer Reduzierung
- der Häufigkeit von monatlichen Migräneattacken,
- des Schweregrads der Migräneattacken und
- der Anzahl an monatlichen Migräne-Tagen.
Die Dauer der Migräneattacken blieb dagegen von der Magnesium-Einnahme unberührt. Das bedeutet: Magnesium kann zwar die Häufigkeit der Migräneattacken senken, aber, wenn sie doch auftreten, dauern sie so lange an wie sonst auch3.
Gut zu wissen: Magnesium kann auch akute Linderung bei Migräne-Attacken leisten, wenn es von einem Arzt oder Therapeuten intravenös verabreicht wird2.
Die bekannteste Magnesium-Studie stammt bereits aus den 90ern. Hier erhielten 43 Patienten über 12 Wochen täglich 600 mg Magnesium (als Trimagnesium-Dicitrat), während die 38 Teilnehmer der Kontrollgruppe ein Placebo bekamen. In den Wochen 9 bis 12 war die Häufigkeit von Migräneattacken in der Magnesiumgruppe bereits um knapp 42 % gesenkt, während es mit Placebo nur 16 % waren. Dadurch verringerte sich auch die Einnahme von Schmerzmitteln. Als Nebenwirkung des Magnesiums wurden bei einigen Teilnehmern Durchfall oder Magenirritationen angegeben4.
Magnesium wird sogar in der Leitlinie zur Migränetherapie – herausgegeben durch die Deutsche Hirnstiftung, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. – erwähnt5. Dort werden die Evidenzstufe und Wirksamkeit jedoch als gering eingeschätzt – was wenig verwunderlich ist im Vergleich zu medikamentösen Therapien.
Wie entsteht Migräne und was hat Magnesiummangel damit zu tun?
Migräne entsteht durch eine Überreizung des Nervensystems im Kopf, die Blutgefäße erweitert und zur Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen führt. Dabei kann ein Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin oder Glutamat und eine Energieknappheit in den Nervenzellen auftreten. Bei Magnesiummangel kann es u.a. zu einer Daueraktivierung des sog. NMDA-Rezeptors kommen, was oxidativen Stress und die Schädigung von Nervenzellen begünstigt. Das kann sich in Summe in Kopfschmerzen äußern2.
Dosierung: Wieviel Magnesium bei Migräne?
Hinsichtlich der Dosierung bei Migräne nennen die Leitlinien-Experten zweimal täglich 300 mg Magnesium als mögliche Migräne-Prophylaxe5. Auch in den Studien lag die Dosierung meist zwischen 400 und 600 mg Magnesium pro Tag. Hierbei ist jedoch zu betonen, dass die optimale Dosierung auch stark von der Bioverfügbarkeit des Präparats abhängig ist. So wurde in den Studien teilweise Magnesiumoxid genutzt – eine der schlechter bioverfügbaren Magnesiumverbindungen.
Durch die Nutzung von besser bioverfügbaren Verbindungen könnte also die notwendige Dosierung reduziert und darüber hinaus die Verträglichkeit im Magen-Darm-Trakt stark verbessert werden.
Eine allgemeingültige Empfehlung lässt sich daher schwierig aussprechen. Bei manchen Menschen könnten bereits geringere Mengen von ca. 200 mg Magnesium/Tag ausreichen (bei guter Bioverfügbarkeit), während andere eventuell tatsächlich höhere Dosierungen benötigen. Bei Dosierungen von über 200 mg empfiehlt es sich dann, die Einnahme auf zwei Tageszeitpunkte (z.B. mittags und abends) zu verteilen, um eine bessere Aufnahme und Verträglichkeit zu gewährleisten.
Welches Magnesium hilft bei Migräne?
Grundsätzlich gilt: Die Art der Magnesiumverbindung ist weniger entscheidend für die Migräne-Prophylaxe als die Bioverfügbarkeit. Das bedeutet: Welches Magnesium bei Migräne eingenommen wird, ist nicht allzu wichtig – Hauptsache es kommt im Körper an. Zu den gut bioverfügbaren Magnesiumverbindungen zählen z.B.:
- Magnesiumbisglycinat
- Magnesiumcitrat
- Magnesiummalat
Darüber hinaus bietet sich insbesondere die Einnahme eines Magnesiumkomplexes an, der verschiedene Magnesiumverbindungen kombiniert und so die Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit v.a. bei höheren Dosierungen zusätzlich steigert.
Zwei weitere Magnesiumverbindungen nehmen dabei einen ganz besonderen Stellenwert ein. Denn diese sollen die Blut-Hirn-Schranke überaus effektiv überwinden können und so insbesondere für all jene Anwendungen geeignet sein, bei denen der Magnesiumspiegel des Gehirns von Bedeutung ist – so auch bei Migräne und Kopfschmerzen. Diese zwei Verbindungen sind:
- Magnesium L-Threonat
- Magnesiumacetyltaurat
Aufgrund der besonders hohen Bioverfügbarkeit bezogen auf das Gehirn ist davon auszugehen, dass bei diesen beiden Verbindungen die notwendige Dosierung niedriger ausfallen kann. Hier könnten also bereits kleinere Magnesium-Mengen für die Migräne-Prophylaxe ausreichen.
Neben Magnesium scheinen laut wissenschaftlichen Studien v.a. auch Coenzym Q10 sowie Vitamin D präventiv vor Migräne zu schützen. Daneben gibt es auch zu alpha-Liponsäure, Vitamin B2 und Probiotika vielversprechende Daten3.
Magnesium hilft nicht nur bei Migräne
Magnesium könnte über Migräne hinaus auch bei anderen Arten von Kopfschmerzen helfen, insbesondere durch seine Rolle bei der Muskelentspannung und Nervenreizleitung. So gibt es bspw. zahlreiche Hinweise, dass Magnesium auch vor Spannungskopfschmerzen schützen könnte6 – auch wenn aussagekräftige Studien noch fehlen.
Darüber hinaus scheint die intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat bei Cluster-Kopfschmerzen zu helfen, v.a. bei Personen mit niedrigen Magnesium-Spiegeln7. Somit liegt auch hier die Annahme nahe, dass die vorbeugende Einnahme von Magnesium zur Erhöhung der Magnesiumspiegel bereits präventiv schützen könnte.
Fazit: Mit Magnesium Migräne vorbeugen
Magnesium kann insbesondere zur vorbeugenden Reduktion der Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken beitragen, auch wenn die Dauer einzelner Anfälle unbeeinflusst bleibt. Wissenschaftliche Studien und Leitlinien stützen den Einsatz von Magnesium als ergänzende Maßnahme zur Migräne-Prophylaxe, insbesondere bei nachgewiesen niedrigen Magnesiumwerten. Entscheidend sind gut bioverfügbare Magnesiumverbindungen und eine individuell angepasste Dosierung. Wer Migräne vorbeugen möchte, kann Magnesium somit als gut verträglichen Baustein eines ganzheitlichen Ansatzes in Betracht ziehen.
Quellen
- Rki, ‘GESUNDHEITSBERICHTERSTATTUNG DES BUNDES GEMEINSAM GETRAGEN VON RKI UND DESTATIS’, 2020 [Online]. Available: 10.25646/6988.2 [Accessed: 19 January 2026].
- Dominguez, Veronese, et al., ‘Magnesium and Migraine’, Nutrients 2025, Vol. 17, Page 725, vol. 17, no. 4, p. 725, Feb. 2025. [Accessed: 20 January 2026].
- Talandashti, Shahinfar, et al., ‘Effects of selected dietary supplements on migraine prophylaxis: A systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials’, Neurol. Sci., vol. 46, no. 2, pp. 651–670, Feb. 2025. [Accessed: 19 January 2026].
- Peikert, Wilimzig, et al., ‘Prophylaxis of migraine with oral magnesium: Results from a prospective, multi-center, placebo-controlled and double-blind randomized study’, Cephalalgia, vol. 16, no. 4, pp. 257–263, 1996. [Accessed: 20 January 2026].
- ‘Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten’, 2025.
- Altura and Altura, ‘Tension headaches and muscle tension: is there a role for magnesium?’, Med. Hypotheses, vol. 57, no. 6, pp. 705–713, Dec. 2001. [Accessed: 20 January 2026].
- Mauskop, Altura, et al., ‘Intravenous magnesium sulfate relieves cluster headaches in patients with low serum ionized magnesium levels’, Headache, vol. 35, no. 10, pp. 597–600, 1995. [Accessed: 20 January 2026].