Adaptogene: Natürliche Unterstützung bei Stress

Inhaltsverzeichnis

Was sind Adaptogene?

Der Begriff adapare (latein) oder adapt (englisch) bedeutet sich anpassen. Adaptogene haben also die Fähigkeit sich an die individuellen Gegebenheiten anzupassen und können dabei unterstützen, aus der Balance geratene Prozesse wieder auf ein natürliches Niveau zu bringen.

Definition nach Dr. Israel Brekhman

Der Begriff des Adaptogens wurde 1968 von Dr. Israel Brekhman neu definiert. Demnach ist ein Adaptogen „jedwede Substanz, die sowohl auf kranke als auch auf gesunde Individuen wirkt, indem sie jede Dysfunktion ‚korrigiert‘, ohne unerwünschte Nebenwirkungen zu generieren1. Brekhman erforschte über 45 Jahre die Eigenschaften der Adaptogene. Mit mehreren Gastprofessuren in London und Skandinavien war er weltweit der größte Experte auf diesem Gebiet. Er fasste die wichtigsten Eigenschaften in folgenden Punkten zusammen:

  • Ein Adaptogen ist für den Körper auch langfristig eingenommen vollkommen unschädlich.
  • Ein Adaptogen steigert die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen ein breites Spektrum an physikalischen, chemischen und biologischen Einflüssen.
  • Ein Adaptogen ist eher ein Regulator und erzielt normalisierende Effekte auf den Stoffwechsel, unabhängig von der Richtung vorausgegangener pathologischer Veränderungen.
  • Die Wirkung des Adaptogens ist ausgeprägter, je tiefer die pathologischen Veränderungen im Organismus liegen2.

Adaptogene fördern das körpereigene Gleichgewicht

Es gibt noch viele weitere Definitionen des Begriffs Adaptogen, bei denen jedoch immer eine Kernaussage gleichbleibt: Adaptogene fördern das Ausbalancieren des körpereigenen Gleichgewichts (die Homöostase) durch verschiedene Mechanismen. Die Homöostase ist sozusagen ein Zustand, bei dem „alles im Lot“ ist. Dabei können sowohl Überfunktionen gedämpft als auch Unterfunktionen wieder angeregt werden.

Der Unterschied zu Stimulanzien

Im Gegensatz zu Stimulanzien wie Koffein oder Nikotin sollen Adaptogene darüber hinaus kein Abhängigkeitspotential oder die Gefahr einer Toleranzentwicklung bergen. Sie gleichen lediglich das aus, was aus dem Gleichgewicht gekommen ist2.

Acht wertvolle Heilpflanzen für einen ausgeglichenen Organismus

Als besonders reichhaltig an adaptogenen Inhaltsstoffen und wertvoll für einen ausbalancierten Organismus gelten beispielsweise Extrakte aus

  • Gojibeeren
  • Rosenwurz (Rhodiola)
  • Vitalpilz Hericium
  • Panax-Ginseng
  • Schisandra Beere
  • Ashwagandha Wurzel
  • Tulsi (indisches Basilikum)
  • Ginkgo biloba

Sie alle haben ihre besonderen Stärken und können wunderbar kombiniert werden, um dem gesamten Organismus wieder zu seinem natürlichen Gleichgewicht zu verhelfen.

1. Gojibeeren Extrakt

Die Goji-Beeren haben nicht nur eine außergewöhnlich hohe Vitamin- und Mineralstoffdichte. Sie enthalten außerdem viele Sequiterpene, die die Stressresistenz erhöhen und den Körper stärken sollen.

Nach der TCM Sichtweise werden ihnen ein stärkender Einfluss auf das Qi (die Lebensenergie) und eine Verzögerung und sogar Verbesserung von Alterserscheinungen zugeschrieben.

2. Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Ebenfalls positive Effekte auf Alterungsprozesse haben Extrakte aus Rosenwurz. Ihr Inhaltsstoff Salidrosid stimuliert die Bildung von antioxidativen Enzymen (Superoxid-Dismutase oder Katalase), die in der Lage sind, Radikale im Körper zu neutralisieren. Der schützende Einfluss von Rosenwurz Extrakten auf verschiedene Zellstrukturen und die Verminderung von zellulären Alterungsprozessen wurde vielfach bestätigt3. Darüber hinaus können ihre Inhaltsstoffe auch nervliche Schäden reparieren und die Nerven vor schädlichen Einflüssen schützen.

Traditioneller Einsatz von Rosenwurz

Daher wird Rhodiola hauptsächlich neuronalen Problemen wie Stress und Überlastung, Antriebslosigkeit, Tagmüdigkeit, Schlafstörungen und auch bei der begleitenden Therapie von depressiven Verstimmungen oder „Burnout“ Symptomen eingesetzt3.

3. Hericium erinaceus

Auch die Inhaltsstoffe des Hericium erinaceus fördern das Wachstum und die Regeneration von Nervenzellen und können somit dazu beitragen, die Nerven zu schützen. Der Hericium, der auch Igelstachelbart oder Löwenmähne genannt wird, ist ein Vitalpilz, der in Europa, Nordamerika, China und Japan heimisch ist. In Asien wird er besonders häufig kultiviert und sowohl für naturheilkundliche Anwendungen als auch als Nahrungsmittel genutzt.

Einsatz von Hericium erinaceus

Er wird dort eingesetzt, wo Konzentration und Erinnerungsvermögen gestärkt werden sollen und gilt als neuroprotektiv und unterstützend für das Nervenwachstum. Er unterstützt ein ausgeglichenes Magen-Darm-System und starke Nerven4–6. In der traditionellen chinesischen Medizin wird er bei Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit eingesetzt und dient der Stimmungsaufhellung.

4. Panax-Ginseng

Ein wesentlich bekannterer pflanzlicher Vertreter aus der Reihe der Adaptogene ist der Ginseng. Sein botanischer Name „Panax“ kommt aus dem Griechischen „Panakeia“, was allheilende Göttin bedeutet7. Die Wurzeln des Ginsengs reichern sich über die Jahre hinweg mit den wertvollen Inhaltsstoffen an und sind erst nach etwa nach 5-7 Jahren erntereif. Die besonderen sekundären Pflanzenstoffe des Ginsengs (Ginsenoide) haben einen ausgleichenden Einfluss auf die Stressreaktionen des Körpers und sollen wie auch Rosenwurz und Hericium erinaceus die Produktion von Neurotransmittern anregen.

Naturheilkundliche Anwendung des Panax-Ginsengs

Daher wird der adaptogene Ginseng bei Erschöpfung und Überforderung eingesetzt und kann dazu beitragen die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Darüber hinaus kann Ginseng die Fähigkeit der roten Blutkörperchen Sauerstoff zu binden verbessern und trägt somit dazu bei den Sauerstoffgehalt des Blutes zu erhöhen7. Auch zu hohe Blutzucker- und Blutfett-Werte können mit Hilfe des Ginsengs wieder auf ein normales Niveau gebracht werden7.

5. Schisandra

Vergleichbar mit den Effekten des Panax Ginseng sind die adaptogenen Einflüsse der Schisandrabeere auf den Organismus. Sie kann das Hautbild positiv beeinflussen, adaptiert die Sehstärke (z.B. bei Kurzsichtigkeit oder Nachtblindheit) und entgiftet Leber und Niere. In vielen Studien zeigten sich die antioxidativen Fähigkeiten der Schisandra2.

Schisandra – die Beere der fünf Geschmacksrichtungen

Die zu den Steranisgewächsen (Schisandraceae) gehörende Beere ist in der TCM bekannt als Wu-Wei-Zi, die „Beere der fünf Geschmacksrichtungen“. Die kleinen Früchte schmecken süß, salzig, bitter, sauer und scharf zugleich, was sie für europäische Gaumen etwas befremdlich macht. In der TCM werden der Beere dadurch eine Verbindung mit allen fünf Elementen (Erde, Holz, Wasser, Feuer, Metall) und damit auch mit den Energiemeridianen im Körper zugesprochen.

6. Ashwagandha (der indische Ginseng)

Besonders ausgleichende Effekte schenken auch Vollspektrum Extrakte aus der Ashwagandha-Wurzel. Diese werden traditionell durch Milch-Wasser-Auszüge gewonnen und sind in der ayurvedischen Lehre seit Jahrtausenden für ihre beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Withanolide, die für die adaptogenen Eigenschaften verantwortlich gemacht werden.

Anwendung von Ashwagandha-Extrakten bei kognitiven Störungen

Viele Studien belegen die besonders positiven Effekte des Ashwagandha bei einer ganzen Bandbriete von Erkrankungen oder kognitiven Disbalancen. Die adaptogenen Ashwagandha Inhaltsstoffe zeigten sehr positive Effekte bei den verschiedensten Unausgeglichenheiten des Gehirns wie Angst, Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie, Huntington-Krankheit, Legasthenie, Depression, Autismus oder auch Suchtverhalten8.

Ashwagandha gleicht den Cortisolspiegel aus

Ashwagandha kann den Cortisolspiegel beeinflussen, so dass dieser auf einem normalen, gesunden Niveau gehalten wird. In einem gesunden Maß hilft Cortisol dabei, den Blutzuckerspiegel und Stoffwechsel zu kontrollieren, Entzündungen zu reduzieren und ist auch an einer gut funktionierenden Gedächtnisleitung beteiligt. Cortisol ist ein Hormon für die Gesundheit des ganzen Körpers und trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei.

Übermäßig viel Cortisol wird jedoch bei Stresssituationen ausgeschüttet und ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel führt zu Übergewicht und einer dauerhaften Stress-Anspannung im Körper. Aswagandha ist in der Lage den Cortisolspiegel auf ein gesundes Niveau auszubalancieren und kann somit helfen durch Stress hervorgerufene Symptome wieder zu normalisieren.

7. Heiliges Basilikum (Tulsi)

Tulsi, das „heilige Basilikum“, hilft ähnlich wie Ashwagandha den Cortisolspiegel zu regulieren und kann daher besonders bei emotionalem Stress eine effektive Unterstützung bieten. Gleichzeitig scheint Tulsi wurmtreibende, antiparasitäre Effekte zu besitzen. In der Literatur wird seine besondere Fähigkeit als Symbiose der Heilpflanzen Lavendel (beruhigend) und Nelken (stark antibakteriell) beschrieben.

8. Ginkgo biloba – ein starkes Neuroprotektivum speziell im Alter

Der Ginkgo-Baum, der in China heimisch ist und mittlerweile weltweit angepflanzt wird, besitzt ebenfalls eine Jahrtausende alte Tradition als Heilpflanze. Geschätzt wird er v.a. wegen seines hohen Gehalts an Flavonoiden und Terpenen (sekundären Pflanzenstoffe), die ihm durchblutungsfördernde, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften verleihen.

Dank dieser Kombination wird Ginkgo v.a. als Neuroprotektivum (nervenschützendes Mittel) zur Steigerung der Gedächtnisleistung und Konzentration eingesetzt.

Ginkgo steigert die Gedächtnisleistung im Alter

Seine große Stärke liegt dabei v.a. in der Verbesserung der Gedächtnisfunktion im Übergangsstadium zwischen natürlich nachlassender Gedächtnisleistung im Alter und beginnender Demenz.

So belegen zahlreiche Studien eine Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie der zerebralen Durchblutung und des nonverbalen Erinnerungsvermögens durch die Einnahme von Ginkgo-Extrakt9.

Studienlage bei gesunden Menschen ist kontrovers

Auf gesunde Menschen scheint Ginkgo dagegen keine überdurchschnittlichen Effekte zu haben. So führte zwar eine Studie an 188 gesunden Probanden zu einer deutlichen Verbesserung der Gedächtnisleistung9. Eine große Meta-Analyse dagegen, bei der die Ergebnisse von 13 Studien zu dieser Fragestellung verglichen und abschließend bewertet wurden, konnte jedoch keinen signifikanten Mehrwehrt von Ginkgo auf die Gehirnleistungsfunktion von gesunden Individuen bestätigen10.

Adaptogene Symbiose

So hat jede adaptogene Pflanze ihre individuellen Stärken. Optimal kombiniert können sie sich sogar ergänzen und den Körper dabei unterstützen, die unterschiedlichen Stressreaktionen und -symptome auszubalancieren.

Quellen

  1. D. R. Yance, "Ein wahrer Jungbrunnen: Adaptogene in der medizinischen Kräuterheilkunde", Aug. 06, 2020.
  2. HMPC, “COMMITTEE ON HERBAL MEDICINAL PRODUCTS (HMPC) REFLECTION PAPER ON THE ADAPTOGENIC CONCEPT AGREED BY WORKING PARTY ON COMMUNITY MONOGRAPHS AND COMMUNITY LIST (MLWP) ADOPTION BY HMPC FOR RELEASE FOR CONSULTATION REDISCUSSION IN WORKING PARTY ON COMMUNITY MONOGRAPHS AND COMMUNITY LIST (MLWP),” 2007 [Accessed: Jan. 18, 2022].
  3. S. Bäumler, Heilpflanzen Praxis heute, 2nd ed. München: Elsevier GmbH, 2013.
  4. E. W. Lee et al., “Two novel diterpenoids, erinacines H and I from the mycelia of Hericium erinaceum” Bioscience, biotechnology, and biochemistry, vol. 64, no. 11, pp. 2402–2405, 2000 [Accessed: Jan. 20, 2022].
  5. F. Brandalise et al., “Dietary Supplementation of Hericium erinaceus Increases Mossy Fiber-CA3 Hippocampal Neurotransmission and Recognition Memory in Wild-Type Mice” Evidence-based Complementary and Alternative Medicine, vol. 2017, 2017, doi: 10.1155/2017/3864340. [Accessed: Jan. 20, 2022].
  6. P. L. Lai et al., “Neurotrophic Properties of the Lion’s Mane Medicinal Mushroom, Hericium erinaceus (Higher Basidiomycetes) from Malaysia” International Journal of Medicinal Mushrooms, vol. 15, no. 6, pp. 539–554, 2013, doi: 10.1615/INTJMEDMUSHR.V15.I6.30. [Accessed: Jan. 20, 2022].
  7. U. Bühring, Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, vol. 4. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag, 2014.
  8. S. Zahiruddin et al., “Ashwagandha in brain disorders: A review of recent developments” Journal of Ethnopharmacology, vol. 257, p. 112876, Jul. 2020, doi: 10.1016/J.JEP.2020.112876. [Accessed: Jan. 21, 2022].
  9. S. M. Barbalho et al., “Ginkgo biloba in the Aging Process: A Narrative Review,” Antioxidants 2022, Vol. 11, Page 525, vol. 11, no. 3, p. 525, Mar. 2022, doi: 10.3390/ANTIOX11030525. [Accessed: Nov. 14, 2022]
  10. K. R. Laws, H. Sweetnam, and T. K. Kondel, “Is Ginkgo biloba a cognitive enhancer in healthy individuals? A meta-analysis,” Human Psychopharmacology: Clinical and Experimental, vol. 27, no. 6, pp. 527–533, Nov. 2012, doi: 10.1002/HUP.2259. [Accessed: Nov. 14, 2022]


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Klaudius Breitkopf

Sportökonom

„Als erfahrener Sportökonom weiß ich, dass Ernährung und Sport einfach zusammengehören. Dabei spielt die Qualität der Lebensmittel eine große Rolle. Aus diesem Grund bieten wir unseren Mitgliedern die Nahrungsergänzungen von Lebenskraftpur an.“